- Steinhöfel - Liberal – Konservativ – Unabhängig - https://www.steinhoefel.com -

Christian Wulff – Ein Nachruf

[1] [2]

Das war's. Endstation Burgwedel. [3]

Das war's. Endstation Burgwedel.

Wenn wir alle demnächst auf die „Ära Wulff“ zurückblicken, was bleibt dann in Erinnerung? Ein mausgrauer Technokrat, bieder bis ins Mark, mit einem Backsteinhäuschen von atemberaubender Hässlichkeit. Ein farbloser Provinzler ohne jede Ausstrahlung, dessen grösster Moment im Amt die törichte These war, der Islam gehöre zu Deutschland. Und der dies dazu noch mit einem Goethe-Zitat zu untermauern suchte, aus dem sich das glatte Gegenteil [4] ergibt. Niemand wollte Wulff als Bundespräsidenten, sieht man von der politischen Nomenklatura ab. Statt Gauck wurde Wulff der unwilligen Bevölkerung aufgezwungen. Ein Manöver in Sachen Machterhalt, vergleichbar mit dem fiebrigen Populismusschub, einer Industrienation über Nacht die Kernkraftwerke abzustellen. Bis zum Blackout das Fähnchen in den Wind hängen.

Wulffs Tage im Amt waren schon Anfang Januar gezählt. Wer, zuvor noch Banken und Finanzindustrie maßregelnd, ein Landesparlament in eigener (Kredit-) Sache derart plump hinter die Fichte zu führen versucht, taugt nicht einmal als Festausschutzvorsitzender der Osnabrücker Stadtverwaltung. Was folgte war ein zäher Kampf um den Erhalt des Amtes, mal mehr, mal weniger seriös medial begleitet von tatsächlichen oder vermeintlichen neuen Enthüllungen. Mit der Kreditsache war Wulff mausetot. Zuvor war er bereits jederzeit im Amt maßlos überfordert. Wenn ein Bundespräsident zu einer der wichtigsten Fragen der Gegenwart nicht mehr den Mund aufmachen kann, ohne allgemeines Grinsen hervorzurufen, ist er erledigt. Ebenso wie zu Guttenberg, dessen dreistes Belügen der Bevölkerung vor laufenden Kameras heute noch einen Würgreiz verursacht („[Meine Dissertation] ist etwa über sieben Jahre, neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden“), fehlten Wulff  und Merkel jedes Gespür dafür, ab wann es zu spät war. Im Januar hätte er noch mit indigniertem Getue zurücktreten können. Jetzt ist Wulff waidwundgeschossen, die Niederlage und sein bevorstehender* Rücktritt für ihn und Merkel fatal.

Kritik am Noch-Bundespräsidenten wurde häufig mit einem aufdringlichen Zurschautragen von Staatsräson zurückhaltend formuliert. Aus Respekt vor dem Amt. Diejenigen, die so fabulierten, hatten schon mit der Wahl Wulffs jeden Respekt vor dem Amt verloren.

© Joachim Nikolaus Steinhöfel 2012

*Der Text erschien gegen 10:15 Uhr, um kurz nach 11:00 Uhr trat Wulff zurück.

[1] [2]