Anja Reschke: “Ist sonne Volksabstimmung dann eigentlich richtig?”

Die „Journalistin des Jahres 2015“, Anja Reschke vom öffentlich-rechtlichen NDR, hat ein bemerkenswertes Video ins Netz gestellt, in welchem sie den Brexit hinterfragt – und zwar im Fahrstuhl, als seien demokratie–theoretische Grundfragen mal eben zwischen zwei Stockwerken abzuhandeln. Zwar müsse „`ne Demokratie auch irgendwie das Volk mitnehmen“. Aber wohl ist ihr dabei nicht. „Ist es denn gerecht, so frag ich mich, dass das Volk bei einer so weit in die Zukunft reichenden Frage abstimmt?“ Da sie betont infantil formuliert, kann man ihre Kinderfrage auch ebenso beantworten: Ja, liebe Anja, das ist es. Denn bessere Verfahren, als dass diejenigen abstimmen, die betroffen sind, haben wir nicht.

Doch nicht nur Frau Reschke packt der anti-demokratische Zweifel. Auch viele Kollegen von der Presse entdeckten nach dem Brexit, dass ihre Liebe zum Volk doch weniger weit reicht als die zur Bevormundung. Und so wie Reschke stellten sie die Frage nach der „Richtigkeit“ des britischen Votums. Dass es in politischen Dingen, anders als in wissenschaftlichen, kein richtig oder falsch gibt, dass nach Luhmann die demokratische Legitimation maßgeblich aus dem Verfahren kommt, scheinen sie alle nicht zu wissen. Genau diese Legitimation aber beginnt zu erodieren, wenn man die Wahl nachträglich in Frage stellt. Das Gequatsche über die angebliche Delegitimität des Verfahrens wird zur Delegitimation der Demokratie. Zahlen wir dafür wirklich Gebühren?

Von Nicolaus Fest

Kommentar abgeben

Weitere Informationen und Widerrufshinweise finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentare

  1. Sven Schwingel

    Interessant ist auch, dass Frau Reschke der Bevölkerung jegliche ausreichende politische Bildung abspricht, um Volksentscheide überhaupt durchführen zu können. Was das für die Effizienz der Ausübung des bildungspolitischen Auftrags der öffentlich-rechtlichen Anstalten bedeutet, mag jeder für sich selbst bestimmen.

    Es scheint sehr einfach, seine journalistischen Aufgaben zu vergessen, wenn man seinen Lebensunterhalt aufgrund einer unantastbar scheinenden rechtlich-staatlichen Ermächtigungsgrundlage finanzieren darf.

  2. Matthias Haller

    Aber aber Herr Steinhöfel – “mal eben zwischen zwei Stockwerken”…
    Diese Dame ist immerhin bis gaaanz nach oben gefahren und konnte sich
    bestimmt richtig Gedanken machen… Nicht zu fassen.
    Aber, Kinderfragen können natürlich auch nur in einer Kinderwelt gestellt werden!

    Herzliche Grüße und DANKE für ihre Arbeit.