“Murdochs dunkles Reich”

Wenn jemand Medienmacht besitzt, ist das für die Bericht erstattende Klasse in unserem Land nicht grundsätzlich ein Problem. Es wird dann zu einem solchen, wenn die Medienmacht gepaart ist mit von den eigenen abweichenden politischen Standpunkten. Dass beispielsweise die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF über eine ganz erhebliche Medienmacht verfügen, liegt auf der Hand. Und sie sind rot-grün dominiert und leben dies in der Berichterstattung auch aus. 40 % der deutschen Journalisten stehen den Grünen nahe (Hans  M. Kepplinger, Professor für Empirische Kommunikationsforschung, Uni Mainz, in FOCUS 21/11, Ressort “Debatte”). Die fatalen Konsequenzen, die dies für die Nachrichtensendungen und politischen Magazine hat, werden täglich aufs Neue dokumentiert. Amerika- und Israelfeindlichkeit sind gang und gäbe, merkliche Distanz zum Kapitalismus und Anbetung eines paternalistischen Staates Einstellungsvorausetzung. Es herrscht eine beängstigende Gleichschaltung und nur sehr selten hört man „dissenting votes“. Diese beispiellose Ballung einer politischen Grundhaltung wird in Deutschland nicht in Frage gestellt.

Die Stimmen dieser herablassenden und selbstgerechten Eiferer erheben sich zu Sturmgeheul, wenn sich die Medienmacht beim Klassenfeind zu ballen scheint. Früher, als die „Bild“-Zeitung noch kampagnenfähig war, ging es gegen Springer. Aktuell bläst man zur Hatz auf Rupert Murdochs verhasste „News Corporation“.

In einem funktionierenden  rechtsstaatlichen Gemeinwesen, das mit checks and balances operiert, wird ein Ereignis wie der Abhörskandal in England in aller Regel aufgedeckt, hat uU Rücktritte zur Folge und strafrechtliche Verfehlungen werden entsprechend geahndet.

Was sich aber am 19.07.2011 im „heute-journal“ des ZDF abspielte, stellt einen absoluten Tiefpunkt des bundesdeutschen „Journalismus“ dar. Frau Illner interviewt einen Herrn Jörges, den „Chefkommentator des ‚Stern’“. Es ist nicht damit getan, Jörges als arroganten Wichtigtuer abzukanzeln, der im Fieberwahn der eigenen Bedeutung deliriert. Trotz seines beklagenswerten Niveaus ist das „heute-journal“ eine der meistgesehenen Nachrichtensendungen mit erheblichem, meinungsbildenden Einfluß. Jörges wurde dort von einer der erfahrensten deutschen Politmoderatorinnen ein unglaublicher Amoklauf gestattet.

Jörges hält sich nur kurz mit seiner Vita auf, um dann sogleich Konsequenzen für „Murdochs dunkles Reich“ zu fordern. Stammte die Formulierung „dunkles Reich“ von einem ungebildeten Cowboy aus Texas, den die Amerikaner zweimal zu ihrem Präsidenten wählten, ständen die Reihen der Empörten in unseren „Qualitätsmedien“ geschlossen. Geht es in die andere Richtung, ist man nicht so zimperlich. Jörges:

„Das muß Konsequenzen haben, das muß möglicherweise, ich hoffe das auf jeden Fall, zur Zerschlagung dieses Murdochs-Konzern führen.“

Warum genau hofft Jörges das? Bereits vor Kenntnis der relevanten Fakten und ohne jeden Anhaltspunkt für eine auch nur mittelbare Beteiligung von Murdoch selber will Jörges den Konzern „zerschlagen“. Wie völlig grotesk diese Forderung ist, bemerkt er in seiner eifernden Abrechnung nicht. Was haben Murdochs australische Beteiligungen oder die Mitarbeiter des „Wall Street Journals“ oder von „Foxnews“ mit dem Fehlverhalten Einzelner bei einem britischen Klatschblatt zu tun? Das die „Zerschlagung“ eines Unternehmens allenfalls bei Marktbeherrschung, also auf kartellrechtlicher Grundlage möglich ist, muss Jörges nicht wissen, um im „heute-journal“ freien Lauf zu haben. Und weiter gehts. Jörges über Murdoch:

„Den Mann konservativ zu nennen, ist ja eine Beleidigung für Konservative. Der ist rechtsreaktionär, und hat das über viele Jahre in den USA auch bewiesen.“

So formulierte wohl einst auch Karl-Eduard von Schnitzler im „Schwarzen Kanal“ des DDR-Fernsehens, wenn er über BRD-Politiker sprach, nur wahrte der wenigstens die Contenance. Beim ZDF hätte man erwartet, dass jemand Jörges’ ungebremsten Unfug Einhalt gebietet.

Warum der Chefkommentator, dem jede Distanz zum Thema fehlt, Murdoch hasst, wird im weiteren Verlauf des Interviews deutlich:

„Es gab ein sehr enges Bündnis mit der Bush-Regierung während des Irak Krieges. Die Murdoch-Sender und -Medien in den USA haben bis zuletzt die Legende, die Lüge von den irakischen Massenvernichtungswaffen verbreitet. Er ist heute ein harter Gegner des aktuellen Präsidenten Barack Obama…“.

Jörges, der gewerbsmäßige Heuchler, darf ungehemmt austeilen. Illner zwingt ihn nicht einmal zu begründen, warum eine Bush-freundliche politische Haltung, die von allen westlichen Geheimdiensten und der Clinton-Administration geteilte Einschätzung, Saddam habe Massenvernichtungswaffen oder der Umstand, dass man Obama kritisch gegenübersteht eine Rechtfertigung dafür darstellen könnte, ein internationales Unternehmen zu „zerschlagen“. Jörges steht der Sinn danach, eine politisch missliebige Stimme ohne jede rechtsstaatliche Rechtfertigung zu exekutieren. So sprang man schon früher und andernorts mit dem Klassenfeind um.

Ein erbarmungswürdiges Schauspiel, bei dem  eine der herausragenden Repräsentantinnen der deutschen berichterstattenden Klasse Steigbügelhalterin für einen komatösen Eiferer spielt. Täglich aufs Neue, in ihrer öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung.

© Joachim Nikolaus Steinhöfel 2011

PS: Zu Beginn seiner ersten Amtszeit im Februar 1999 soll Altkanzler Schröder gesagt haben, dass er zum Regieren nur „BILD, BamS und Glotze“ brauche.

PPS: Zu empfehlen ist der Artikel von Bret Stephens über die Unterschiede in der Medienbehandlung der News of the World – Wikileads Skandale. Der eine ( Murdoch ) wird an den Pranger gestellt und er andere für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

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18 Kommentare zu "“Murdochs dunkles Reich”"

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Egon Edwin Kirsch
Gast

Der Mann ist einer der Kugelschreiber-Kulaken der Zarin aus Gütersloh und ganz offensichtlich möchte er seine vergoldeten Stützstrümpfe behalten und nicht als sog ” Freier Publizist” an dem Sorgenleben seiner zig Tausend Kollegen die mittlerweile freigesetzt wurden in der Zeitungsbranche, landen. Sein überschnappender Hass passt gut zur Linie des Hauses Mohn, Hauptsache es geht gegen Amerika, Israel und Verlagshäuser die den Allmachtsphantasien der Zarin aus Gütersloh entgegen stehen.

Skandalos
Gast

Jeder, der GEZ zahlt, trägt sein Scherflein zum kommenden deutschen Totalitarismus bei.

Aron Sperber
Gast

wir sind schon wieder auf dem “Enteignet Springer Niveau” angekommen.

bald werden die staatlich geförderten Medien nur mehr “nützliche Wahrheiten” betreiben:

http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/07/20/standard-verbreitet-unnutze-wahrheit/

was für uns nützlich ist, werden die kleinen grünen Journalisten-Gottheiten dann ganz alleine bestimmen können.

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