Afghanistan: Strategie-Chaos im Weißen Haus

Taliban

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Das Thema Afghanistan kommt nicht gerade aus heiterem Himmel auf die Tagesordnung des US-Präsidenten. Der Krieg dauert jetzt acht Jahre. Zwei Jahre lang hat Obama als Kandidat ständig damit geworben, anders als George W. Bush die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen und den Krieg zu gewinnen. Jetzt holen ihn seine vollmundigen Versprechungen aus dem Wahlkampf ein. Am 27. März diesen Jahres verkündete er eine „neue umfassende Strategie“ und ergänzt, diese sei das Ergebnis einer eingehenden Prüfung und Untersuchung des Konflikts.

“Good morning,” began the President today. “Today, I am announcing a comprehensive, new strategy for Afghanistan and Pakistan.  And this marks the conclusion of a careful policy review, led by Bruce [Reidel], that I ordered as soon as I took office.”

Er habe sich mit Militärs beraten, mit Alliierten, den Regierungen in Afghanistan und Pakistan sowie Mitgliedern des Kongresses. Obama wechselt den verantwortlichen General aus und entscheidet sich für Stanley McChrystal anstelle von General McKiernan. Dieser forderte in einem Bericht, den das Weiße Haus seit Wochen „auswertet“, eine deutliche Aufstockung der Truppenstärke um 40.000 bis 60.000 Mann und soll andernfalls mit Rücktritt drohen. McChrystal ist Obamas – hervorragende – Wahl als Oberkommandierender von ISAF (International Security Assistance Force oder auch „I Saw Americans Fight“). Im August betont Obama erneut, es sei ein „notwendiger Krieg“, entscheidend für die Sicherheit Amerikas.

“But we must never forget.  This is not a war of choice,” he told the VFW crowd. “This is a war of necessity. Those who attacked America on 9/11 are plotting to do so again.”

Man sollte vermuten, jetzt werde – endlich – gehandelt und nicht mehr proklamiert. Aber Obama wankt und laviert aufgrund politischen Drucks der Linken der Demokraten und negativer Umfragen. Es geht jetzt nur noch um Politik und nicht mehr um Strategie. Das derweil 68.000 Amerikaner am Hindukusch ihr Leben risikieren und die militärische Situation sich verschlechtert, führt bei Obama nicht dazu, die erforderlichen Entscheidungen schnell und konsequent zu fällen. Er hatte Zeit genug !

McChrystals Bericht ist glasklar. Er benötige innerhalb der nächsten 12 Monate weitere Soldaten, ohne die die Mission „wahrscheinlich fehlschlage“. Wenn man jetzt nicht die Initiative ergreife und das Momentum der Taliban breche, risikiere man ein Ergebnis, wonach ein Sieg gegen die Aufständischen nicht mehr möglich sei. „Inadequate Ressourcen werden wahrscheinlich zum Misserfolg führen. Ohne eine neue Strategie sollte die Mission allerdings gar nicht erst mit weiteren Ressourcen versehen werden“, so McChrystal.

Aber der Präsident lässt verlauten, erst müsse über die neue Strategie entschieden werden, bevor über die etwaige Entsendung weiterer Truppen befunden werde. Wie bitte ? Was hat Obama im März erklärt ? Schon wieder eine neue Strategie ? Oder nur Unerfahrenheit, Angst, Naivität und die Ablenkung durch den Ego-Trip nach Kopenhagen, wo Obama dem IOC seine im Korruptionssumpf erstickende Heimatstadt als Austragungsort für die olympischen Spiele andienen wollte ?

Obama hat mit Petraeus und McChrystal die besten Generäle der Welt. Sie wissen genau, wie in Afghanistan gewonnen werden kann und wie nicht. Anstatt auf den im Irak erfolgreichen Petraeus und den von ihm selbst ernannten McChrystal zu hören, sind jetzt der Stabschef des Weißen Hauses, Rahm Emanuel, und Vizepräsident Biden die neuesten Einflüsterer des Narziss im Weißen Haus. Biden, der zur Hochzeit des Irak-Krieges auch schon einmal die Dreiteilung des Landes in einen sunnitischen, einen schiitischen und einen kurdischen Staat vorschlug und auch im übrigen militärisch völlig ahnungslos ist, will den Krieg allein mit Drohnen und Spezialkräften gewinnen. „Geht nicht“ ist die knallharte Antwort der Kommandeure, die im Gegensatz zu Biden und Emanuel wissen, wovon sie reden.

McChrystal ist klarer Verfechter der Counterinsurgency-Strategie, die der CENTCOM-Oberbefehlshaber General Petraeus wie folgt zusammenfasst:

•    Secure the population, live among them and be seen as protectors;
•    Assume a comprehensive approach and establish a “unity of effort” among the interagency participants;
•    Pursue the enemy relentlessly and “hold” the cleared areas;
•    Separate the “irreconcilables” — extremists incapable of reforming — from the “reconcilables,” and promote reconciliation; and
•    Exercise initiative, including being the first to disseminate the truth, and learn and adapt.

Diese Strategie birgt höhere Risiken für die Soldaten, hat aber im Irak zum Erfolg geführt. McChrystal ist wohl derjenige Militär auf diesem Planeten, der am besten beurteilen kann, wozu Spezialkräfte, die er jahrelang kommandiert und mit denen er spektakuläre Erfolge erzielte, fähig sind und wozu nicht.

Anstatt die im März vollmundig postulierte Strategie endlich konsequent umzusetzen, reist der Präsident um die Welt, entschuldigt sich für Amerika, wo immer es geht, umarmt Diktatoren, verprellt Verbündete (Israel, Polen, Tschechien), sodaß der französische Präsident Sarkozy seine Fassungslosigkeit über Obamas naives und unreifes Multi-Kulti-Posieren nicht mehr für sich behalten konnte.

Das fatale Management des Irak-Krieges in den Jahren 2004 bis 2006, bis George W. Bush endlich die Fehler erkannte und sich gegen brutalen Widerstand der öffentlichen Meinung und der Mehrheit beider Parteien für die „surge“ entschied und triumphierte, liegt noch nicht so lange zurück. Aber der Präsident erscheint unfähig, sich von Halbheiten und dem weiteren Durchwurschteln zu verabschieden und eine klare Entscheidung zu treffen, für die er die alleinige Verantwortung trägt.

Obama ist stets für diesen Krieg eingetreten. Er hat seinen Vorgänger über alle Maßen wegen der Art und Weise kritisiert, wie dieser wegen des angeblich überflüssigen Krieges im Irak Afghanistan vernachlässigt habe. Jetzt ist es sein Krieg. Und es hat nicht den Anschein, als sei er dieser Aufgabe auch nur annähernd gewachsen.

Update: Genau so sieht es auch Charles Krauthammer in einem am Tag nach der Veröffentlichung dieses Postings erschienenen Artikel.

© Joachim Nikolaus Steinhöfel 2009

O’Reilly: 8 Years Of War In Afghanistan

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Kommentare

  1. Crackerjack

    ..der “surge” hat nichts daran geändert dass der Iraq ein sterbender staat ist. Die kurden und die shiiten werden ihre teile faktisch übernehmen und die sunni sich in ehren teil abschotten. Was afghanistan betrifftß — Wie’s weiter geht kann man blaupausen artig nachschauen bei den soviets während ihre afghan abenteuer in den ’80er. Wer sich mal die mühe macht wir ein dejavu erlebniss haben. Viel spaß dabei. Manchmal wiederholt sich die geschichte doch. Die ehmaligen soviet generäle dürften sich vor lachen kaum auf die stühle halten können. LOL.

  2. Obama* und seine (beratende) Administration** sind noch viel, viel naiver als J. Carter, der schon vor iranischen Revolution von einem “Grünen Gürtel” träumte und gegründet, was wir heute in den Nahen Osten unter Federführung der faschistoidichen Mullahs sehen: Chaos, Terrorismus, offensiver Antisemitismus und schließlich Atombombe!!! Sie*+** bringen uns zur unvorstellbaren der 21. Jahrhunderts… Vernichtung der Menschengattung… Wie kann ein Mensch* so DUMM sein???
    n.a.